Eine Taufpredigt gehalten in Jochsberg 1590

Wer hätte gedacht, dass bis zum heutigen Tag eine Predigt überliefert ist, die schon 1590 in Jochsberg gehalten wurde? Damals, am Sonntag, dem 29. April, wurde der kleine Valentin Bernhard getauft, ein Sohn der ansässigen Adelsfamilie von Seckendorff. Pfarrer Dietrich Wassermann hielt die Feier »im Beisein vieler hoher Adelspersonen«, wie er schreibt. Jene Predigt hatte er so perfekt ausformuliert, dass es ihm lohnenswert erschien, sie hernach als gedrucktes Buch zu veröffentlichen. Und so kann man seine Taufpredigt bis zum heutigen Tag lesen. Pfarrer Wassermann stammte aus dem oberpfälzischen Waldkirchen. Schon sein Vater Nikolaus war Pfarrer gewesen, und auch Dietrich Wassermanns Sohn Johann Martin setzte diese Tradition später fort.

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Dietrich Wassermann war ein gebildeter Mann. Das verrät seine Taufpredigt. Immer wieder streut er mit einer gewissen Freude lateinische Zitate aus der geistlichen und weltlichen Literatur der Antike sowie aus der lateinischen Bibelübersetzung ein, übersetzt sie aber zumeist gleich ins Deutsche. Und natürlich war er auch ein profunder Kenner der Bibel, wusste zielsicher mit Versen aus den Büchern Mose, den Psalmen, den Propheten, den Evangelien und neutestamentlichen Briefen zu argumentieren – die Heilige Schrift ist für ihn, den evangelischen Prediger, die alles entscheidende Quelle aller seiner Gedanken.

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Dietrich Wassermann ist klar: Zur ersten, der leibli- chen Geburt, darf und soll und muß unbedingt und von Anfang des Lebens an eine zweite hinzutreten: die geistliche Geburt, die den Menschen »selig« macht, das heißt, ihm von Beginn an den Weg hinaus aus der sterblichen und elenden Welt ins ewige Leben eröffnet.

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Pfarrer Dr. Rainer Schulz, Jochsberg