Direkt zum Inhalt springen

Kirchengeschichte der Kirchengemeinde Wiedersbach und der Kirche St. Johannis Baptista

Wiedersbach ist das jüngste "Kind" im Reigen der 19 Kirchengemeinden im Dekanat Leutershausen. Erst 1816 wurde der Ort von der königlich bayerischen Regierung endgültig als eigene Pfarrei anerkannt, obwohl es hier schon lange eine Kirche gab.

Ein Geistlicher - Bediensteter der in der Turmhügelburg wohnenden Dorfadeligen - erhielt 1427 die Erlaubnis, im Burghof von Wiedersbach "heilige Handlungen" (gemeint waren Gottesdienste) zu vollziehen.  In diese Zeit fiel die Errichtung des ersten Gotteshauses, einer kleinen Kapelle im Vorhof der Burg. Der für Wiedersbach zuständige (katholische) Geistliche aus Neunstetten hielt dort einmal jährlich am Kirchweihtag eine Messe.

Die Herren von Lüchau führten 1528 hier die Reformation ein. Nun wurden die Wiedersbacher Gläubigen nach dem markgräflichen und deshalb evangelisch gewordenen benachbarten Ort Neunkirchen eingepfarrt. Von jetzt an verwalteten zwei von der Gemeinde gewählte Kirchenpfleger das örtliche Kirchenvermögen.

Nach dem Aussterben der Herren von Lüchau im Jahr 1591 kam der Wiedersbacher Besitz im Erbweg an die Adelsfamilie von Eyb, die von nun an die Geschicke des Ortes bis in das 20. Jahrhundert hinein bestimmten. Im Jahr 1600 erweiterte Hans Wilhelm von Eyb, nachdem er ein eigenes Pfarrhaus hatte errichten lassen, die schon bestehende Kapelle zu einer kleinen Kirche. Dabei entstand auch der bis heute charakteristische, im oberen Teil achteckige Fachwerk-Zwiebelturm. Die Wiedersbacher mussten von nun an über Jahrhunderte hinweg durch den Burghof des Patronatsherren gehen, wenn sie den Gottesdienst besuchen wollten. Die jeweiligen Pfarrer, die von den Ortsadeligen angestellt wurden, leiteten keine eigenständige Pfarrei, sondern waren kirchenrechtlich nur Geistliche der Gutsherrschaft. Sie wechselten wegen der nicht sehr hohen Einkünfte häufig oder wurden entlassen, wenn sie beim Patronatsherren aus irgendeinem Grund in Ungnade fielen.

Die Wiedersbacher Kirche wurde - wie früher die Kapelle von den Herren von Lüchau - als Begräbnisstätte der Familie von Eyb verwendet. Der jeweilige Gutsherr sah es aber stets gerne, wenn die eigenen Untertanen in der nahen hiesigen Kirche den Gottesdienst besuchten und nicht im entfernteren Neunkirchen, wo die Beerdigungen stattfinden mussten.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Gemeinde in den Jahren 1631 - 1634 weitgehend zerstört und auch die Kirche geplündert. Den verwüsteten Ort bauten später vor allem österreichische Exulanten wieder auf. 1685 konnte endlich ein eigener Pfarrer eingestellt werden. Kurz darauf wurde die erste Orgel in der Kirche aufgestellt, wahrscheinlich nur ein einfaches Positiv. Im Jahr 1697 brannte die Turmburg ab. In der Folge zog die Adelsfamilie in das hiesige Pfarrhaus ein und erweiterte es zu einem respektablen Gutshof. In der Zwischenzeit erbauten die Gemeindemitglieder ein zweites Pfarrhaus. Auch das Langhaus der Kirche musste wegen Bußwürdigkeit neu erstellt werden. Die Einrichtung des im Kriege ausgeraubten Gotteshauses ließ noch lange Zeit zu wünschen übrig. Die älteste erhaltene Glocke auf dem Kirchturm stammt aus dem Jahr 1752 und wurde von Christian Vic-tor Held in Nürnberg gegossen. 1761 erfolgte für die Errichtung der zweiten Orgel eine Sammlung. Wie zu dieser Zeit üblich, wurde sie im Markgrafenstil über Altar und Kanzel im Chor der Kirche untergebracht.

Die preußische Verwaltung in Ansbach verfügte 1796, dass der Leuters-hausener Dekan von nun an auch die Pfarrei Wiedersbach regelmäßig zu visitieren habe und bezog sie in seinen Dekanatsbezirk mit ein. Aber erst durch die Anerkennung von 1816 besaß die Gemeinde alle "pfarrlichen Funktionen" am Ort. 1838 erfolgte eine Reparatur des Turms und Erneuerung des Turmknopfs. Das Patrimonialgericht der Freiherren von Eyb wurde 1842 aufgehoben; die Patronatsrechte an der Kirche blieben aber weiterhin unangetastet. Eine weitere Reparatur des Turmes und eine vollkommen neue Umgestaltung der inneren Einrichtung erfolgte 1897. In diesem Jahr erstellte die Firma Holländer in Feuchtwangen eine neue (dritte) Orgel.

Pfarrer Rudolf Leffler war der letzte Geistliche, der von 1923 - 1926 das hiesige Pfarrhaus bewohnte. Das Gebäude wurde nachher nur noch für Konfirmanden-unterricht und Kinderstunde verwendet und in der 2. Hälfte der 1960er Jahre abgebrochen. Der 2. Pfarrer von Leutershausen betreute von nun an die Kirchengemeinde Wiedersbach. Infolge der Verschuldung des Ortsadels konnte die Kirchengemeinde endlich die jahrhundertealten Patronatsrechte der Freiherren von Eyb an der Kirche ablösen und war nach 1957 selbst Eigentümer des Gotteshauses.

Im Jahr 1961wurde eine umfassende Renovierung und Neugestaltung der Kirche durchgeführt. Dabei erfolgte auch die Verlegung des Einganges vom Innenhof des Eybschen Gutshofes auf die Ostseite (mit Zugang von der Straße her). Die Orgel wurde aus dem Chorraum auf die östliche Empore (früher Patronatsloge) verlegt. Der Barockaltar der früheren Leutershausener Heilig-Kreuz-Kirche aus dem Jahr 1722 kam nach einer Überarbeitung und neuen Vergoldung an die Stelle des bisherigen Altarkreuzes. Das Altarbild zeigt die sehr seltene gemeinsame Darstellung von Karfreitag und Ostern. Zwei gut erhaltene Grabsteine des Ortsadels wurden bei der Renovierung links neben dem neuen Kircheneingang (Hans Wilhelm von Eyb +1614) und neben dem Taufstein (Walburga Sybilla von Eyb +1626) in die Wand eingelassen. Zur Erinnerung an die lange Patronatsgeschichte des Gotteshauses stiftete die Familie von Eyb ihr historisches Wappen in Form eines bunten Glasfensters auf der Westseite.

1980 fand Kreisheimatpfleger Claus Broser (insgesamt 50 Jahre Organist dieser Gemeinde) im Stadtarchiv von Rothenburg o. d. T. in zwei päpstlichen Urkunden des Jahres 1427 den nach der Reformationszeit in Vergessenheit geratenen Namen der hiesigen Kirche: St. Johannis Baptista (der Täufer). Seither wird dieser Name durch besonderen Beschluss des Kirchenvorstandes wieder verwendet. Wegen der Schadhaftigkeit der bisherigen Orgel erstellte im Jahr 1982 die Firma Hey aus Urspringen in der Rhön eine neue (vierte) Orgel mit zwei Manualen und 12 Registern.

Im Jahr 1992 erfolgte die Loslösung der Kirchengemeinde von der 2. Pfarrstelle in Leutershausen. Seither bilden die beiden Kirchengemeinden Neunkirchen und Wiedersbach das gemeinsame Pfarramt Neunkirchen-Wiedersbach, bis 2004 betreut durch Pfarrer Walter Strebel. Von 2005 - 2009 leitete zum erstenmal in unserer Geschichte eine Frau die hiesige Pfarrei, nämlich Pfarrerin z. A. Heike Bachmann. Seit 2009 hat diese Aufgabe Pfarrer Johannes Repky übernommen.

Claus Broser und Reiner Daum